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Kongo 2011

Im Mai dieses Jahres besuchten wir wieder unsere Partnerschaftsdiözese im Osten des Kongos. Wir besuchten „unsere" Martin-Luther-Schule in Bizimana und konnten uns am regen Besuch und dem guten Zustand erfreuen. Die Böden und Wände der Klassenräume sind inzwischen sauber verputzt und Dachbleche aus Plexiglas bringen genügend Licht in die Klassenräume. Sehr gefreut hat uns, dass für die Schüler und Lehrer vier Toiletten gebaut wurden, wodurch sich die sanitäre Situation sehr entspannt hat.

     
Die Schule hat jetzt 560 Schüler und immer noch gibt es Anfragen von Eltern, die ihre Kinder gerne auf diese Schule schicken würden. Um noch mehr Schüler aufzunehmen, muss die Schule aber noch erweitert werden. Schon jetzt sind die Klassen mit viel zu vielen Kindern belegt. Es sind zwei Lösungsmöglichkeiten angedacht. Man könnte drei Klassenräume mit einem weiteren Stockwerk versehen oder ein Nachbargrundstück dazu kaufen. Die erste Möglichkeit möchten wir eigentlich nicht befürworten, weil es in dieser Region zeitweilig zu Erdbeben kommt und sowohl Statik und auch die Materialien zum Bauen nicht besonders hochwertig sind. Das Gelände durch den Zukauf von Nachbargrundstücken zu erweitern ist sehr teuer. Zurzeit werden Preise für ein Grundstück, auf dem drei neue Klassenräume entstehen könnten, mit Preisen um die 18.000 $ gehandelt. Wir müssen abwarten, wie viel wir dazu beitragen können.

        
Die vorhandenen Klassenräume sind zwar verputzt und sauber, es fehlen aber noch einige Bänke und Tische, in vier Klassen auch gute Wandtafeln. Bisher gibt es hier nur schwarz angemalte Holtafeln, die schwer sauber zu halten sind. An Schulmaterial fehlt es an allen Enden, sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer. Der Schulleiter hat jetzt auch ein eigenes kleines Büro, aber die Lehrbücher für die verschiedenen Fächer werden vom Direktor an die Lehrer ausgeliehen, weil nur jeweils 1 Exemplar vorhanden ist.

     
Da die Milchspeisung - bisher haben die Kinder der ersten Klassen dreimal pro Woche mittags einen Becher heiße Milch bekommen - von den Kindern so gut angenommen wurde und auch den Zulauf der Schüler erhöht hat, haben die Frauen aus Bizimana die Milch gestreckt, damit alle Kinder von der 1. bis zur 3. Klasse versorgt werden können. Für uns heißt das, wir müssen das Budget von bisher 50 € monatlich deutlich aufstocken, damit die Milch nicht zu dünn wird.
Die Frauen aus Bizimana, die auch die Schulmilchspeisung zubereiten, haben dank einer großzügigen Spende von Biobäcker Springer und Bäckerei Wulff einen Backofen auf dem Schulgelände gebaut, in dem sie vor der Schulzeit Brötchen backen und diese anschließend an der Hauptstraße in einem kleinen Restaurant mit Tee zum Verkauf anbieten.

     
Wir wollten diesmal auch Städte und Dörfer im Landesinneren, dem Herzen des Kongos besuchen. Dieses Gebiet ist von den Unruhen und Überfällen der Rebellen besonders stark betroffen, da es sich hier um Minengebiet handelt. In diesen Minen werden Rohstoffe wie Kasserit, Coltan, aber auch Gold gefördert. Man kommt nur mit dem Flugzeug dorthin. So flogen wir unter abenteuerlichen und aufregenden Umständen in einer Frachtmaschine nach Kalima und von dort mit einem geliehenen Auto auf schlammigen Pfaden, die wir hier in Europa allenfalls als Wanderwege benutzen würden, durch den Urwald. Nach einigen Reifenpannen, Festfahren im Matsch und Hinübertasten über kaputte Brücken erreichten wir Kindu. Mein Traum erfüllte sich: wir überquerten den Kongo-Fluss in einer Pirogge, einem riesigen Einbaum, ein einmaliges Erlebnis!

     
Die Rückfahrt verlief ebenso spannend, mit Pannen und Ähnlichem, über Kalima bis nach Shabunda, einer kleinen Stadt in einer traumhaft schönen Landschaft. Die Menschen hier kommen einfach nicht zur Ruhe, weil sie ständig in der Angst vor Überfällen leben. Dort erwartete uns wieder ein Frachtflugzeug, das uns zurück nach Bukavu brachte.

     
Wir besuchten auf unserer Fahrt etliche Schulen oder Gelände, welche einmal eine Schule werden sollen. Wir haben einige wenig Erfolg versprechende Versuche gesehen, den Kindern eine Schulausbildung zukommen zu lassen. Überall fehlt es am nötigen Geld, an gut ausgebildeten Lehrern und Schulbauten. Aber wir haben auch anderes gesehen. So waren wir begeistert von einer gutgeführten Sekundarschule in Kindu, die in angemieteten Räumen den Unterricht durchführt. Die Miete versuchen die Lehrer aus eigener Tasche zu bezahlen. Aber auch in dieser Schule, die gute Abschlüsse hervorbringt, fehlt es an Schulmaterialien, angefangen von den kleinsten Dingen wie Hefte oder Kugelschreiber bis zu Lehrbüchern.

     
Insgesamt hat diese Reise ein bedrückendes Gefühl bei uns hinterlassen. Wir hörten den Wunsch der Menschen friedlich miteinander zu leben, sahen die vielen Kinder, die gerne eine Schule besuchen würden, sahen die großen Mühen der Menschen, die notwendigen Dinge wie Wasser und Feuerholz für ihren täglichen Bedarf heranzuschaffen. Und wir sahen auch fröhliche Menschen, dankbar dafür, dass wir sie besucht haben, sie wahrgenommen haben. Wir sahen Kinder, die mit den kleinen selbstgebauten Spielzeugen aus Abfall vergnügt spielten. Die Begegnung mit diesen Menschen gibt uns immer wieder Kraft und Mut und das Bewusstsein, dass die kleinen Dinge, die wir hier im Land bewirken können, nicht vergebens sind.

      
Wir als Partnerschaftsgruppe und die vielen Menschen, die es uns mit großen oder kleinen Spenden ermöglichen, hier vor Ort zu helfen und direkt etwas zu bewirken, werden dieses Land in seinem Konstrukt nicht verändern. Wir werden nichts ausrichten können gegen die Korruptheit des Staates, nicht gegen die Ausbeutung der Rohstoffe des Landes durch viele Nationen, nichts gegen die marodierenden Rebellen- und Soldatentruppen. Aber wir bewirken trotzdem etwas. Wir geben den Menschen, denen wir begegnen, etwas von ihrer Würde zurück, indem wir sie wahrnehmen und ihnen sagen, dass wir sie nicht vergessen haben, und indem wir an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun. Wenn sich viele Menschen zusammentun und daran mitarbeiten, können wir viel bewirken. Wenn wir den Kinder und Jugendlichen in diesem Land eine Chance geben wollen, so kann dies nur durch Bildung erfolgen. Eine Schulausbildung zu haben, lesen, schreiben und rechnen zu können, schafft die Voraussetzung dafür, ihr Leben später selbst in die Hand nehmen zu können. Daran beteiligen wir uns.



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(: 08.09.11)